Jazz Heidenheim sucht eine neue Heimat

Mehr als drei Jahrzehnte lang war die Cafeteria der Alten DHBW in der Wilhelmstraße 10 die Heimat von Jazz Heidenheim. Hier fanden unzählige Konzerte statt, hier erlebte das Publikum internationale Stars ebenso wie spannende Neuentdeckungen. Nun endet diese Ära überraschend.

Wie dem Verein mitgeteilt wurde, hat der Brandschutzbeauftragte der Stadt Heidenheim die Situation im Gebäude neu bewertet. Die Cafeteria im ersten Obergeschoss wird als Teil des Treppenhauses eingestuft und muss deshalb frei von Brandlasten sein. Eine formelle Nutzungsuntersagung wurde zwar nicht ausgesprochen, die neue Leitung der DHBW wird den Konzertbetrieb dort jedoch nicht mehr zulassen. „Sicherheit geht vor“, begründet Rektor Prof. Dr. Marcus Hoffmann die Entscheidung. Für Jazz Heidenheim bedeutet dies den Verlust seiner langjährigen Spielstätte – und seiner festen Heimat.

Die Geschichte des Vereins ist eng mit diesem Ort verbunden. Bereits 1989 wurde die IG Jazz als Vorläufer des heutigen Vereins gegründet. Als Kurt A. Hildenbrand, damals Leiter der Berufsakademie, 1993 den Vorsitz von Jazz Heidenheim übernahm, eröffnete sich die Möglichkeit, die Konzerte dauerhaft im Neubau der Hochschule an der Wilhelmstraße zu veranstalten. Das Eröffnungskonzert spielte damals kein Geringerer als Weltstar Ray Brown mit seinem Trio.

Seitdem entwickelte sich die Cafeteria zu einem überregional geschätzten Konzertort. Rund zehn Konzerte pro Jahr, fast immer freitagabends um 20 Uhr, standen regelmäßig auf dem Programm. Während das Hochschulgebäude zu dieser Zeit nahezu menschenleer war, wurde die Cafeteria zu einem Treffpunkt für Jazzliebhaber. Der Verein investierte über viele Jahre erhebliche Mittel, um dem Publikum ein erstklassiges Klangerlebnis zu bieten und den Musikerinnen und Musikern optimale Bedingungen für ihre Auftritte zu schaffen.

Für den Verein kommt die Entwicklung zu einem schwierigen Zeitpunkt. Jazz lebt zwar von Spontaneität und Improvisation, Konzertplanung dagegen verlangt Verlässlichkeit. Verträge mit Künstlerinnen und Künstlern werden oft viele Monate im Voraus abgeschlossen. Bereits bis Mitte 2027 bestehen zahlreiche verbindliche Vereinbarungen mit Bands.

Deshalb arbeitet der Vorstand um den Vorsitzenden Joachim Kocsis und Programmgestalter Peter Klotzbücher derzeit mit Hochdruck daran, geeignete Ausweichspielstätten zu finden. Erste Unterstützung gibt es bereits: Die Stadtbibliothek, der Talhof und das Zinzendorf-Gemeindehaus haben ihre Hilfe angeboten. Dafür ist der Verein sehr dankbar.

Die ersten Konzerte konnten bereits verlegt werden. Das Konzert des Matti Klein Trios am 25. September findet nun im Margarete-Hannsmann-Saal der Heidenheimer Stadtbibliothek statt. Auch das Trio Italian Touch wird dort am 17. Oktober auftreten.

Parallel dazu sucht Jazz Heidenheim nach einer dauerhaften neuen Heimat. Dafür gibt es gute Gründe. Der Verein besitzt seit einigen Jahren einen Steinway-Flügel, der bisher in der DHBW gelagert und den auftretenden Bands zur Verfügung gestellt wurde. Ein regelmäßiger Transport des Instruments zu wechselnden Veranstaltungsorten wäre schon aus Kostengründen kaum zu bewältigen.

Hinzu kommt das umfangreiche Licht- und Tonequipment, das Jazz Heidenheim über viele Jahre angeschafft hat. Die rund eine Tonne schwere Technik ist derzeit im Keller der DHBW eingelagert. Für jedes Konzert müsste sie künftig mit einem eigens gemieteten Transporter an- und wieder abtransportiert werden. Dafür wären zusätzliche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer erforderlich.

Auch wirtschaftlich stellt der Wegfall der bisherigen Spielstätte den Verein vor große Herausforderungen. Bei den Konzerten in der Cafeteria konnte Jazz Heidenheim Getränke anbieten. Diese Einnahmen sind ein wichtiger Baustein, um das finanzielle Defizit des Konzertbetriebs auszugleichen.

Rund 20 Ehrenamtliche engagieren sich regelmäßig für die Vorbereitung und Durchführung der Konzerte. Sie alle möchten dieses Engagement auch künftig fortsetzen – für die Musik und für das Publikum.

Ob eine Rückkehr in die Alte DHBW irgendwann möglich sein wird, ist derzeit offen. Nach Angaben der Hochschule wird sogar eine Rückgabe der Flächen an den Eigentümer, eine Stiftung in Nürnberg, erwogen. Eine Entscheidung darüber sei allerdings noch nicht gefallen.

Um die Zukunft von Jazz Heidenheim zu sichern, sucht der Verein nun gemeinsam mit der Stadt nach Perspektiven. Vorsitzender Joachim Kocsis wird dazu in diesen Tagen ein Gespräch mit Heidenheims Oberbürgermeister Michael Salomo führen.